Communication

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Populärkultur From Hell

Beitrag von Andreas Pohr, re>flex Kulturmagazin
“Dr. Simone Bro­ders’ Vor­trag “Fear­ful Sym­me­try” demons­triert vor­bild­haft das kluge Kon­zept der Ring­vor­le­sung zur Popu­lär­kul­tur: die all­täg­lich kon­su­mierte Kul­tur als Aus­gangs­punkt für Bezüge zum klas­si­sche­ren uni­ver­si­tä­ren Kanon. So pas­sen dann auch’Seri­en­kil­ler’ und ‘Wil­liam Blake’ über­ra­schend gut zusam­men. Ein gelun­ge­ner, kurz­wei­li­ger Vor­trag — und eine inspi­rie­rende Ein­la­dung zum bla­kespot­ting” (Archivierung mit freundlicher Genehmigung von Andreas Pohr).

Shakespeare und Science Fiction – Spannender Vortrag in der Oberstufe
Beitrag von Christine Hieber, Martin-Behaim-Gymnasium Nürnberg

“Shakespeare? Zumindest Zitate wie ‘Sein oder Nichtsein’ kennt und verwendet jeder. Was aber hat Shakespeare mit Science Fiction Filmen zu tun? Dies zeigte Dr. Simone Broders (Universität Erlangen-Nürnberg) an ausgewählten Materialien von Star Trek und Star Wars anschaulich und eindrücklich” (Christine Hieber) http://martin-behaim.24-design.de/index.php?id=210

Radio BitExpress
Simone Broders im Experten-I
nterview
Stierhof, Franca. “Vampire-Spezial”. BitNewcomer, Sendung vom 29.04.2010, 19 Uhr. Bitexpress Online-Radio. Transkript veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung von https://www.bitexpress.de

FS: Im Fernsehen laufen immer wieder Vampirserien wie beispielsweise True Blood, Vampire Diaries und Moonlight. Die Twilight-Filme feiern riesige Erfolge. Die Menschen scheinen sich von Vampirgeschichten immer mehr angezogen zu fühlen. Aber woher kommt das?

SB: Dazu sollte man sich zunächst einmal die Wurzeln der heutigen Vampirgeschichten genauer ansehen. Man findet sie im 19. Jahrhundert, in der Zeit des Viktorianismus. Der Vampir ist das Produkt einer Krisenzeit: Die industrielle Revolution hatte in England Einzug gehalten, alle weißen Flecken auf der Landkarte waren bereits erforscht. Bei allem viktorianischen Fortschrittsglauben drohte die Gesellschaft immer kälter zu werden, für Individualität und die irrationalen Aspekte der eigenen Vorstellungskraft schien kein Platz zu sein. Der Vampir als wandelndes Paradox aus Leben und Tod, Gentleman und Monster spiegelt zugleich die Ängste und Sehnsüchte dieser Gesellschaft wider. Weil er eine moralisch zweifelhafte Gestalt ist, “darf” er alles, auch Tabubereiche wie Tod und Sexualität ausloten.

Eine parallele Entwicklung ist auch heute zu beobachten: Technisierung und Materialismus scheinen die Gesellschaft zu beherrschen, es zählt hauptsächlich eine in Profit messbare Leistung. Der Vampir bietet nicht nur einen Ausweg, sondern auch die Möglichkeit, etwas auszuprobieren, was man vielleicht im normalen Leben nicht tun könnte.

FS: Kann so eine Vampirstory trotz all der unrealistischen Geschehnisse, die sie so erzählt, auch Teenagern und unsicheren Menschen bei der Persönlichkeitsfindung helfen?

SB: Ich denke, da spielen verschiedene Aspekte hinein. Der Vampir verkörpert häufig die Idee des Rebellen, der eben nicht konform ist, der beweist, dass man sich nicht in der Gesellschaft einordnen, mit dem Strom mitschwimmen muss. Die modernen Vampire gehen oft auch eher in die Richtung “Superheld”. In Twilight gibt es zum Beispiel eine Szene, in der Edward einen heranrasenden Wagen mit einer Hand stoppt. Andererseits ist der Vampir durch seine Einzigartigkeit auch ein Außenseiter, er hat bestimmte Schwächen und wird immer anders sein als die Menschen.

Das sind wichtige Themen, die gerade Teenager besonders beschäftigen: Wie findet man seinen individuellen Platz in einer Welt, die einem doch ziemlich genau sagt, wie man sein und was man gut finden soll?

FS: Also werden auch Eigenschaften, die man in Zeiten von Technikwahn und Materialismus nicht vergessen sollte, in Vampirgeschichten wieder nähergebracht?

SB: Vampire müssen durch ihre praktisch unbegrenzte Lebenszeit natürlich auch mit den Konsequenzen ihrer Entscheidungen unbegrenzt leben. Da werden dann plötzlich ganz andere Dinge wichtig. Da wird eben nicht das Materielle wichtig, oder die Titel und die Ausbildung. Man denke zum Beispiel daran, wie Edward Bella durch sein Elternhaus führt und iht eine ganze Wand voller mortarboards zeigt, das ist eine Art Doktorhut, die man in den USA beim Highschool- und Studienabschluss bekommt. Dadurch, dass die Cullens so lange leben, können sie eine ganze Wand damit tapezieren. Für sie ist dieses Symbol unwichtig geworden. Die eigene Persönlichkeitsbildung und die eigenen Werte werden sehr viel wichtiger, Werte wie Familie oder Loyalität.

FS: Haben Sie zum Schluss noch einen Lektüretipp aus der Vampirliteratur für uns?

SB: Ja, Totenbraut von Nina Blazón, ein Roman, der in Serbien spielt und ausnahmsweise einmal nicht vom attraktiven Hochglanz-Vampir nach dem Vorbild von Dracula handelt, sondern in den osteuropäischen Volksglauben hineingeht.

FS: Vielen Dank für das Interview!

Simone Broders’ Publications on the Gothic and the Fantastic

“‘No Sex Please, We’re Vegetarians’ – Marketing the Vampire and Sexual Curiosity in Twilight, True Blood and the Sookie Stackhouse Novels”. Gothic Transgressions. Extension and Commercialisation of a Cultural Mode. Eds. Ellen Redling and Christian Schneider. Kultur: Forschung und Wissenschaft Bd. 19. Münster: LIT, 2015.

“Satanisches Wissen? Neugier als Grenzüberschreitung in Science Fiction und Horror”. Feststellungen. Dokumentation des 25. Film- und fernsehwissenschaftlichen Kolloquiums. Hgg. Thomas Nachreiner, Peter Podrez. Marburg: Schüren, 2014. 343-52.

“‘Bitten Is the New Black’ – Images of Women in Canadian and US American Vampire Chick Lit”. The Centennial Reader. Current Readings – Reading Currents. Ed. William Bunn. Mount Royal University, Canada. 2011 Summer Issue.